Joseph (Joe) Zoc

Alter Gnom-Tüftler etwas wild verpackt...

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Bio:

Nach dem Abenteuer «Neue Ufer»:
«Ich lege alles auf den Tisch, so könnt ihr euch eure Fragen sparen. Ich bin ein alter Mann», lächelte die junge Meervolk-Dame, ein zierliches lächeln huschte über die vollen Lippen, «und daher erzähle ich sehr gerne Geschichten. Meine beginnt in einem kleinen, aber prunkvollen Loch in einem Berg. Es ist ein Juwel einer Gnomenstadt und euer Unverständnis meiner Kultur und das dadurch erstehende imaginäre Bild in euren ungehobelten Köpfchen sollte nicht den Namen des Ortes verschmutzen, weswegen ich ihn nicht nennen werde. Lasst mich also lieber darauf ausschweifen, dass ich, der Gnom Joseph Zoc, dort aufwuchs, lernte, lebte, liebte, lamentierte und alt wurde. Ich habe ein erfülltes gnomisches Leben zu Ende gelebt und war ein gefeierter Handwerker und Tüftler. Doch wie ihr sicherlich ahnt, hatte ich keine Lust darauf, mich in etwas Totes in einem Grab umzufunktionieren. Meine Kinder waren bereits in aller Welt und meiner Liebsten, Carlas Alzheimer verschlimmerte sich fatal. Ich wusste, mir selbst blieb wenig Zeit. Also verabschiedete ich mich von meinen Freunden, meiner Familie und allem, was mir – ausser meinem Leben – von Bedeutung war.»
Die sanfte und wogende Stimme der Meerjungfrau verklang wie ein Seufzer, während sie mit feuchten Augen den Horizont abtastete. Ihre Zuhörerschaft lauschte gebannt – vielleicht gar nicht so sehr wegen dem Inhalt, sondern wegen der Melodie ihrer Sätze, der Farbe ihrer Intonation… Die Geschichten von singenden Sirenen sind – so stereotypisch sie sein mögen – gut fundiert…
«Wenig wusste ich damals, wie sehr sich mein Leben verändern sollte und wie lange mein Weg tatsächlich noch werden sollte». Ihre melancholie löste sich umgehend auf beim neuen Abschnitt der Geschichte, und sie positionierte sich plätschernd neu in ihrer stählernen Kiste voller Wasser, erneut aufgestellt in der “Taverne” in Cyrkensia. «Ein guter Freund, ist ein mächtiger Druide. Er lebte damals unweit meiner Heimat von mir an der Oberfläche. Freundlicher Kerl – eine Kuriosität unter Seinesgleichen. Er lehnte die Idee zwar grundsätzlich ab, doch ich konnte ihn dank eines glücklichen Umstandes mit den richtigen Worten und Taten überreden, mich zu reinkarnieren, obwohl ich noch nicht tot war. Zu dieser Zeit waren die Druiden aufgrund einer Seuche unter den Federschwanz-Eichhörnchen in Not, welche von gewissen Falterarten bakteriell übertragen wurde… Lange Geschichte, kurzer Sinn. Ich bin zwar nicht besonders stolz darauf, ihn erpresst zu haben, doch andererseits könnten sich die Druiden auch einen sinnvolleren Kodex überlegen, damit das gar nicht erst nötig gewesen wäre… Wie dem auch sei, wie ihr bestimmt erraten habt: Ich wurde wiedergeboren als Ork.»
Diejenigen, die noch nicht komplett am Träumen waren aufgrund der lieblichen Stimme, tauschten verwirrte Blicke aus.
«Nun, das Leben als Ork erwies sich als ziemlich ungemütlich. Niemand mag Orks. Auch ich nicht. Sie haben ungeschickte Hände und ihnen fehlt es einfach an Syanpsen im Kopf. Ich streifte also eine Weile umher, versuchte mich unstereotypisch zu verhalten und wurde dennoch eines Tages getötet. Ungemütliche vier Jahre meiner Chronik, daher sollte hier auch schon als Abschluss gesagt werden, dass ich wiedergeboren wurde als Mensch. Wie es dazu kam: der gute Freund Druide von vorhin war sehr besorgt, dass ich ein machthungriger Bösewicht war, dem er dazu noch einen Ork-Körper gegeben hatte. Deshalb hatte er kurzerhand entschlossen, seinen Zirkel zu verlassen, um mich zu beschatten. Die Welt vor mir retten, wie er sagte, sobald es nötig würde. Glücklicherweise hat er bald erkannt, wer da vor wem gerettet werden musste und – weil er seine Kodex-Blokade ja bereits einmal überwunden hatte – liess er mich nochmals auferstehen, um sich bei mir zu entschuldigen. Leider, wie gesagt, als Mensch und noch leiderer… vedammt das Wort gibt es nicht in eurer Sprache ja?,… noch mehr leider als alter Mensch, dazu. Sehr alt. Geradezu sterbend. Wir hatten daraufhin ein unglaublich spannendes Geschpräch, welches sich über die nächsten paar Tage hinwegzog, während er mich pflegte. Als ich an altersschwäche erneut von der Welt ging, fand ich sogar eigentlich meinen inneren Frieden.»
Erneut endete der Satz wie ein Seufzer und die Meerjungfrau liess sich Zeit, sich zu sammeln. Sie tauchte nach einer langen Pause des in-den-Horizont-starrens in ihrer Kiste unter Wasser, um sich die Kehle zu benetzen.

«Ja schön, all das. Aber wer bist dann du, bittesehr?» Stellte ihr jemand die alles auf den Punkt bringende Frage.
«Ach so, ja. Bevor ich starb, gab ich dem Druiden anscheinend mindestens so viel über seine Werte zu denken, wie er mir über die meinen. Er entschloss sich, aus dem Zirkel auszutreten, um als unabhängiger Druide in der Welt zu helfen, anstatt sich vor ihr zu verstecken. Als erster Akt seiner neu erworbenen heldenhaften Grosszügigkeit liess er mich erneut reinkarnieren. Diesmal hatte ich nicht so deutlich pech, denn ich erhielt meinen jetztigen Körper. Meerjungfrauen haben geschickte Hände und tolle Gehirne. Sie sind ausserdem einiges charmanter als Orks, was meinen Überlebenschancen auch gut tat, bisher. Ich verabschiedete mich von meinem Freund. Wer weiss, wo er sich jetzt herumtreibt. Ich weiss aber mit bestimmtheit, dass er dem Guten den Weg ebnet, wie auch ich versuche, der Welt mit meinem künstlich verlängerten Leben nicht zur Last zu fallen.
Meerjungfrau zu sein erwies sich als praktisch, doch nicht angenehm. Das Bedürfnis nach Wasser ist unglaublich nervig, da ich als Gnom trockene, dunkle Umgebungen präferiere. Keine Beine zu haben erwies sich auch als gewöhnungsbedürftig, denn die Magie, welche die Flossen in Beine umwandelt beim Kontakt mit Land, funktioniert bei mir nicht. Vielleicht ein Beigeschmack der Reinkarnation, vielleicht mein fehlendes Talent für Magie. Doch alles in allem kann ich nicht klagen, man gewöhnt sich schnell an alles mögliche, sodass ich manchmal ganz vergesse wie es war, mühselig das eine Bein vor das andere zu stellen.»
Sie lachte schallend, und dieses Lachen war so wunderschön, dass es allen heiss und kalt wurde, während sich die Augenwinkel unweigerlich mit Freudetränen füllten.

«Also nur um euch nebst den Fragen auch noch das Rechnen zu ersparen: Ich bin ein 283 Jahre alter Gnom, der danach vier Jahre als blutjunger Ork durch die Landen streifte, eine Woche ein totkranker alter Mann war, und bereits seit zwölf Jahren als bildhübsche Meerjungfrau die Welt bevölkert. Total 299 Jahre. Ich werde bald ein enormes Fest organisieren müssen…»

Joseph (Joe) Zoc

Freiläufer Sir_Kalador