Gesellschaft der nach Göttlichkeit Greifenden

Die Gesellschaft der nach Göttlichkeit Greifenden (GGG) wurde im ersten Jahr n.S. von einer Gruppe befreundeter hochrangiger Magier gegründet. Die Motivation für die ersten Handlungen der Gilde waren gutmütig und wissenschaftlich. Die Idee war, zu erforschen, wie die Götter etwas so schreckliches, wie die Dämonenstürme zulassen konnten, beziehungsweise, wie man sich besser in die Angelegenheiten der Götter einmischen könnte, um auf solche Ereignisse einen Einfluss nehmen zu können, oder sie sogar zu verhindern. Da dies Intervention in göttliche Geschehnisse bedarf, wurde erheblich viel Forschung und Kontakt in und um der äusseren Ebenen betrieben. In dieser anfänglichen Zeit wurde auch die Celestische Bibliothek (C.B.) auf einer abgelegenen Wiese in der Aussenebene (Outlands), abseits der grösseren, zum Teil göttlichen Reiche gegründet. Die göttlichen Bibliotheken Boccops, welche unweit, auch auf der Aussenebene stehen, galten als Inspiration für den gewählten Ort. Die Celestische Bibliothek der Gesellschaft sieht aber etwas weniger Pompös aus als Boccops Version, denn sie besteht lediglich aus einer Reihe von nebeneinander stehenden, hohen Holzregalen – ohne umschliessendes Gebäude. Jeder muss ja irgendwo klein anfangen… Immerhin: Glücklicherweise regnet es an dieser Stelle der Ebene nie. Auch in dieser Zeit ist die Gründung des JAGM, das Journal der Angewandten Göttlichen Magie einzuordnen. Das Journal sollte ein Katalog aller für die GGG relevanten Werke und Forschungsergebnisse werden. So begann sie als Sammlung, wird jedoch inzwischen für aktuelle Publikationen verwendet. Die Bibliothek wurde interessanterweise nie von den Göttern entdeckt (besser gesagt: nie beachtet), da sie so klein und abgelegen, jedoch gleichzeitig praktisch vor ihrer Nase platziert war.

Die Götter erweisen sich währenddessen unmittelbar während der Gründerjahre des GGG als nicht hilfreich, ja, geradezu unfreundlich, da sie befürchteten, die ambitionierten Magier würden selbst nach göttlicher Macht streben. Wie noch so oft in der Geschichte der allgemeinen Psychologie schlug erneut das Motto zu: Behandle jemanden genug lange wie ein Monster und er wird zu einem. Die Organisation GGG wandelte sich binnen zwei Generationen zu einem nicht-hierarchischen, losen, jedoch sich stark verbreitenden Geflecht von Magiern, Wissenschaftlern, Neugierigen und Machthungrigen, welche Forschung und Wissen auf dem Feld austauschten, wie Götter funktionieren, wie göttliche Macht zu wirken und zu verstehen sei, etc. – alles mit dem immer offenerem Ziel, selbst göttliche Macht zu erlangen. Ja, unverblümt nahmen sogar einige Mitglieder die Worte in den Mund, selbst vollwertige Götter werden zu wollen. In diesem losen Geflech der Organisation wurden nun nicht mehr nur geprüfte Individuen integriert, sondern jeder, der ein etwaiges Verständnis der Organisationen hatte, konnte neue Mitglieder rekrutieren. Der Rekrutierungsprozess bestand lediglich aus dem Zusenden eines einleitenden Briefes, einem immerwährend sich magisch ergänzenden Adressbuch aller Mitglieder und einer genauen Wegbeschreibung zur Celestischen Bibliothek. Jeder, der schlau und interessiert genug war, um sich danach an der Arbeit der GGG zu beteiligen, galt als Mitglied.

Da die Organisation ohne jegliche Struktur oder Leitung als Organisation zu funktionieren vermag, waren alle Versuche, etwas gegen sie zu unternehmen, unfruchtbar. Einzelne Mitglieder wurden eine Zeit lang systematisch entsprechend der Adressenliste gejagt. In den allermeisten Fällen erwiesen sich die potenten Magier und Tüftler als extrem gefährlich oder schlicht unantastbar oder unauffindbar. Um an die Celestische Bibliothek, dem einzigen Zentrum der GGG, heranzukommen fehlte es den Götter an Handlungsbedarf und die Bewohner der materiellen Ebene hatten für Gewöhnlich das Know-How nicht. Hatte sich jemand genug mit dem Thema befasst um tatsächlich zur Bibliothek zu gelangen, würdigte er inzwischen das dort gesammelte Wissen genug, sodass er dort angekommen der Bibliothek nicht mehr schaden wollte. Dies war tatsächlich in der Geschichte ausnahmslos immer der Fall, obwohl es dazu einige Präzedenzfälle gab. Egal ob gut, böse oder neutral, derartiges Wissen zu vernichten hat niemand über das Herz gebracht. Das einzige, was unter diesen umständen noch die Bibliothek hätte gefährden könne, war Diebstal, aus diversen Gründen. Dies wurde jedoch mit einem uralten, unumkehrbaren Ritualzauber verunmöglicht, welches das Areal um die Celestische Bibliothek umschliesst. Es ist nicht möglich, Papier oder Pergament aus dem Areal zu entfernen. Nur hinzufügen zur Bibliothek gelingt reibungslos. Wenn man sich etwas borgen oder notieren möchte, kann man das auf Stein- Kupfer oder Wachsplatten tun.

Da im Verlauf von beinahe 5 Jahrhunderten kein bekannter Gott aus den Reihen der GGG emporstieg, verlor die Gilde bald an Popularität und an Skandalosität. Die Mitglieder waren in den Meisten fällen sowieso mehr oder weniger harmlose Magier, die, falls sie eher weniger harmlos waren, unabhängig von ihrer Mitgliedschaft ein Problem darstellten. So beschäftigt sich heute kaum jemand mit der Verfolgung der Erfolge oder Studien der GGG – oder der Verfolgung der Mitglieder.

OT: Ganz speziell aufgrund der Sensiblisierung der Götter auf genau solche Menschen – seit dem Tod des Gottes Kaminsod – ist es eine logische Konsequenz, dass die Mitglieder der GGG nie tatsächlich etwas grosses bewirken konnten, ja noch nicht einmal Signifikantes herausfinden konnten. Auch konnten sie nie den Ereignissen des Splitterkrieges auf die Spur kommen, was auch bedeutet, dass sie noch nichteinmal vom Vertrag zwischen den Göttlichen Mächten wissen, geschweige denn verstehen, weshalb es Schlupflöcher beinhaltet. Ihre gesamte Organisation inklusive ihrer Ziele ist komplett an den tatsächlichen Ereignissen vorbeigezielt. Doch Menschen vergessen schnell und lernen langsam, während die Splitterkriege bereits so lange her sind, dass sie von immer mehr Menschen nur noch als Metapher und Legende verstanden werden, um die unweigerliche Wahrheit des Ewigen göttergegebenen Kampfes gegen das Böse und die Dämonen zu erklären.

Gesellschaft der nach Göttlichkeit Greifenden

Freiläufer Sir_Kalador