Invasion von Curemaa

Auf ihren Fahrten zu den nördlichen Schildinseln und ihren Patrouillen an Ostküste Gloduras bevorzugen es die Angarveli, südlich der Schildinseln durch das offene Meer zu segeln, um den mitunter tückischen Untiefen der Inselkette oder den verfluchten Stürmen die vor Glodura wüten aus dem Weg zu gehen. Dafür sind aber Häfen an der Nordküste Djarkarths unabdingbar, vor allem im Herbst wenn die See zwischen Djarkarth und Phisos sehr wild ist.
Einer der wichtigsten dieser Häfen ist die von Menschen und Zwergen gleichsam bewohnte Stadt Curemaa, die über den einzigen ausreichend tiefen und geschützten Hafen am Klippenbewehrten Nordwestkap Djarkarths verfügt. Insbesondere die Versorgungsschiffe der Angarveli machen hier gerne Halt um ihre Vorräte aufzufüllen und allfällige Reparaturen durchzuführen. Allerdings gerieten sie dabei oft in Konflikt mit der Haupteinnahmequelle der reichen Stadt, den Handelsschiffen. Da die Angarveli ihre Fahrten ungern ankündigen (und die Zwischenstopps nicht selten ungeplant sind) kam es nicht selten vor, dass eine Handels oder Fischereiflotte den Hafen unerwarteterweise belegt vorfand und Kaufleute mitunter hohe Verluste hinnehmen mussten. Ausserdem sahen die Dämonenjäger es wegen ihrer wichtigen, keinen Aufschub duldenden Aufgaben als selbstverständlich an, Vorzüge bei Reparaturen und Proviant zu verlangen. Der junge Fürst Obodir trat deswegen dem Enera eher abgeneigten Bündnis von Ostia bei und begann, den Angarveli zusätzliche Gebühren für die Hafennutzung abzuverlangen sowie ihnen nach und nach Privilegien zu verweigern.
Die Situation eskalierte, als im besonders stürmischen Herbst 476 n.S. eine schwer beschädigte Kogge der Angarveli den Hafen erreichte, voll beladen mit Waffen und Munition für Aussenposten in den Schildinseln. Da die Fracht dringend benötigt wurde wollte der Kapitän der Elenea sein Schiff so schnell wie möglich reparieren. Allerdings waren die letzten Bestände an Takelage bereits an eine ebenfalls vom Sturm zerzauste Handelsflotte gegangen, und Nachschub war nicht in Sicht. Kurz entschlossen marschierten die zehn an Bord befindlichen Cyron Kämpfer zu den Handelsschiffen und beschlagnahmten die Ware mit Kompensation, worauf sie von der Stadtwache verhaftet wurden. Obodir entsandte darauf einen Boten zu Kaiser Generan VII von Enera, um mit diesem einen, mit den inhaftierten Angarveli als Druckmittel, möglichst vorteilhaften Hafennutzungsvertrag auszuhandeln. Ausserdem begann er vorsorglich, die Bürger und Bauernmiliz auf den Feldern vor der Stadt zu drillen.
Generan jedoch sah diesen ungestümen Schachzug als Möglichkeit, endlich gegen das ungeliebte Ostia Bündnis vorzugehen und Curemaa als Basis zu sichern, und befahl nach Abstimmung mit der Trinität, mit voller Härte auf diese aussergewöhnliche Provokation zu reagieren.
Die schnellen Kriegsschiffe der jederzeit kampfbereiten Angarveli brauchten nur drei Tage, um bei starkem Wind den Ozean mit 450, aus allen Abteilungen zusammengesetzten Kämpfern zu überqueren. In einer beeindruckenden Demonstration ihrer einzigartigen Navigationskünste gelang es der Angarveli Flotte, mit sechs Schiffen bei völliger Dunkelheit unbemerkt an die steilen Klippen östlich und westlich der starken Hafenbefestigungen heranzusegeln. Im Morgengrauen entdeckten die verdutzten Milizionäre, dass sich zwischen ihnen und der, vom Land her völlig ungeschützten Stadt knapp 100 Angarveli befanden, die unbemerkt die Klippen erklommen hatten, während sich weitere 100 anschickten, den Hafen zu sichern um den Rest der Flotte anlanden zu lassen.
Hastig wurde zu den Waffen gegriffen, und nach etwa einer halben Stunde erfolgte der eilige Angriff. Die kaum trainierte Miliz wurde allerdings von der Elite Eneras, von denen die meisten schon auf der letzten Bastion gegen Dämonen gekämpft hatten in unter einer Minute in die Flucht geschlagen. Die Stadtwache Curemaas leistete ebenfalls so gut wie keinen Widerstand, so dass die Stadt in Kürze fiel und die Angarveli Flotte in den Hafen einlief. Lediglich die Hafenbastion, in die sich Obodir geflüchtet hatte, ergab sich erst nach drei Tagen.
Als Folge der Invasion musste Curemaa einen Vertrag unterschreiben, der den Angarveli die uneingeschränkte Nutzung des Hafens erlaubt und ihnen Lagerhäuser im Hafen überschreiben. Ausserdem wurde eine Garnison regulärer enerischer Soldaten in der Stadt stationiert und zukünftigen Fürsten ein «Berater» zur Seite gestellt.
Das eisenharte Vertreten der eigenen Interessen und insbesondere der kompromisslose, perfekt geplante und durchgeführte Militäreinsatz verschafften Enera gehörigen Respekt, sowohl bei seinen Verbündeten als auch bei seinen Gegnern und neutralen Staaten. Die Besetzung des Nordwestkaps und andere ähnliche, weniger spektakuläre Aktionen führten dazu dass die Angarveli ihr Einsatzgebiet über beinahe die komplette zivilisierte Welt ausweiten konnten.
Zwei Wochen nach der Invasion ehrte Kaiser Generan VII persönlich die teilnehmenden Soldaten in Curemaa. Die perfekt durchorchestrierte Zeremonie, der zahlreiche ausländische Diplomaten beiwohnten wurde zu einem glänzenden Beispiel für Ruhm und Macht des Menschenreichs Enera.

Invasion von Curemaa

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